Wir waren jung und brauchten das Geld, weshalb wir uns damals 2001 auch nicht zu schade waren, uns vor anderen Leuten auf Showbühnen und öffentlichen Events zum Kasper zu machen. Ritteressen waren damals sehr beliebt und es gab noch nicht viele Darsteller, die in diesem Bereich tätig waren. Wir hingegen konnten bereits auf jahrelange Erfahrungen zurückblicken.
Im Jahr 2001 war bei uns oft Schmalhans Küchenmeister, da wir nur über ein sehr geringes Familieneinkommen verfügten. Matthias bekam lediglich Geld aus seinem Bildungskredit, weil er studierte und Andrea arbeitete bei einem Arbeitgeber, der es mit der pünktlichen Bezahlung nicht so genau nahm (bis dann Garnichts mehr kam). Somit war unser Kühlschrank oft leer und Mahnungen im Briefkasten keine Seltenheit.
Finanziell konnten wir bei diesen Veranstaltungen nicht viel gutmachen, denn es gab lediglich das Benzingeld. Aber wichtiger war, dass wir nach der Show die Rester essen durften und auf diese Weise manchen Einkauf sparen konnten.
Wie lief so ein Ritteressen eigentlich ab?
Nach der Eröffnung der Veranstaltung (mit Trommel und Rufhorn) und der Begrüßung der Gäste erfolgte zunächst eine kurze Einführung in das Mittelalter. Bei unseren Events verbanden wir das Ritteressen mit dem Thema Henker und Hinrichtung. Es sollte also eine Gerichtsverhandlung zu einem Mordfall stattfinden, der eine Hinrichtung folgen sollte.
Die Geschichte:
Knecht Michael wird unschuldig als Mörder seines Herren angeklagt.
Die einzige Magd, die ihn entlasten kann, wird ebenfalls tot aufgefunden. Nun bleibt nur noch die Folter um die Wahrheit herauszubekommen. Doch Michael hält den größten Qualen der Folter stand. Wobei der Richter nach einer kleinen Bestechung (durch einen Adligen) befindet, dass es hier mit dem Teufel zugeht und er somit für schuldig zu befinden ist. Knecht Michael wird zu Tode gebracht. Doch sein Geist findet keine Ruhe, ehe er den wahren Schuldigen findet und ihn ins Grab bringt. Eine Geschichte zum Mitfiebern. Der Kampf des Guten gegen das Böse.
Die einzelnen Parts wurden um verschiedene Animationen des Publikums und spezielle Aufführungen wie Feuerspuken, Scherbenlauf und Schaukämpfe ergänzt.
Die Theaterformation „Das Geierlamm“ besteht auch heute noch weiter (in abgeänderter Form als „Geierlamm Entertainment„) und wird von Michael betrieben.
Fun Fact:
Der Name „Das Geierlamm“ entstammt einem Gedicht von Christian Morgenstern, aber die Figur dazu haben wir 2000 während eines Urlaubaufenthaltes in … natürlich Italien (genauer in Verona) entdeckt.
Das war damals eine verrückte Zeit und wir erinnern uns heute mit einem Lächeln daran. Es war faszinierend, dass sich die Gäste bereitwillig anpöbeln ließen und unseren Anweisungen ungefragt Folge leisteten. Aber wir haben auch etwas fürs Leben gelernt, nämlich dass man sich nicht zu fein sein darf zum Arbeiten – egal um welche Tätigkeit es sich handelt. Und man sollte die Menschen nicht an Hand ihres Berufes beurteilen, denn oftmals gibt es unerwartete Hintergründe.





