M: Der Eine oder Andere kennt das vielleicht. Im zarten Alter von 16 Jahren hat Man(n) den Führerschein fürs Moped gemacht, damit man nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fahren muss. Außerdem muss es doch unglaublich beeindruckend auf das weibliche Geschlecht wirken, wenn so ein cooler Typ mit einem eigenen (mehr oder weniger) Kraftfahrzeug an einer Gruppe junger Damen vorbei fährt.
A: Als ob das irgend ein Mädchen interessieren würde. Kerle eben!
M: Dann lässt man sich das erste Moped (S51) von den Eltern schenken, weil selbst hat man ja kein Geld für eine solche Investition. Im Gegenzug fährt man mit Mama dann damit auch die wöchentlichen Einkäufe erledigen. (Sah damals bestimmt zum Brüllen aus, wenn wir voll bepackt mit dem Moped am Leistungslimit fahrend vom Einkaufen zurückkamen) Mit diesem, einen die unendliche Freiheit näherbringendem, Vehikel fährt man einige Wochen und dann stellt man eine morgens fest, dass es geklaut wurde.
Dann besorgt man sich ein weiteres Moped (S51) mit dem man stolz durch die Gegend düst bis kurze Zeit später dem Gefährt das gleiche Schicksal widerfährt.
Frustriert legt man sich erneut einen fahrbaren Untersatz zu (S50) um … naja was wohl … den Verlust einige Zeit später erneut feststellen zu müssen.
Und dann … nix mehr Moped … Autoführerschein machen und Auto fahren. Die bleiben vielleicht länger im Besitz des Eigentümers.
Man hat den Dieb übrigens später ausfindig machen können, aber wegen Mittellosigkeit sind wir auf dem Schaden sitzen geblieben.
Wie auch immer, nach 20 Jahren ohne motorisiertes Zweirad, einer beginnenden Midlife crisis und ungeheure Wut auf die bestehende berufliche Situation, habe ich beschlossen mir wieder ein Moped zu kaufen. Aber es sollte eine Chopper sein, weil ich die schon immer cool fand. Es musste jedoch ein Fahrzeug mit max. 125ccm sein, da ich ja nur den Führerschein der Klasse 1B hatte. Nach tagelangem Suchen im Internet inklusive Geräuschanalysen der verschiedenen Auspuffanlagen, war sie gefunden … meine XVS 125 Dragstar. Sah aus wie ein richtig großes Bike. Lediglich das etwas kleinere Nummernschild verriet die geringe Motorisierung. Aber für den Anfang reichte es.
A: Was will man da noch sagen. Manchmal muss man Männer einfach machen lassen. Meistens gibt sich das nach kurzer Zeit wieder. Ist ja sonst auch nicht anders. Der Elan bei der Mithilfe im Haushalt oder der Reparatur von Sachen vergeht auch immer sehr schnell!
M: Und dann die erste Runde gedreht. Super, ich kann es noch, also zumindest geradeaus fahren klappt noch prima. An die Kurven taste ich mich später ran. Erstmal wird das Moped im Zeitlupentempo um die Kurven gefahren. Egal, sieht ja fast keiner. Wenn die blöden Autofahrer nur nicht immer hinter einem hupen würden… Davon geht’s auch nicht schneller. Ich bin doch quasi ein Wiederneuling.
Auch das liebe Kindlein findet Gefallen an dem zweirädrigen Spielzeug. Kinderliederträllernd sitzt sie stolz wie Bolle auf dem Sozius und lässt sich gern mal zu unserem Garten fahren. Nur die flehend gewünschte Abholung vom Schulhort, der gerade mal 100 Meter von unserer Wohnung entfernt war, fand ich schon etwas albern. Aber was macht man nicht alles für die lieben Kleinen.
C: Och Papa … musst Du die olle Kamelle immer wieder aufwärmen?
M: Ja, muss ich!
Von nun an sind wir mit unserer Chopper Mitglieder der elitären Gemeinschaft der Biker, besuchen regelmäßig entsprechende Messen und drehen unsere Runden. Blöd nur, dass das Ding keine drei Sitze hat… Es ist ein wahrlich befreiendes Gefühl sich auf den Bock zu setzen, den Zündschlüssel umzudrehen und zu hoffen, dass die Batterie noch genug Saft hat und der Tank, der irgendwie immer auf Reserve läuft, bis zur nächsten Tankstelle reicht. Freiheit pur!
