Wo wir sind, da werden Rekorde gebrochen. Vielleicht nicht immer und nicht überall, aber in diesem Fall war es definitiv so. Ein zweiter Wintereinbruch in Austin innerhalb kürzester Zeit und das in Form eines (Zitat des Chemielehrers von Celina) „Jahrhundertwinters“ bzw. einer „Snowpocalypse“.
Da sind wir nun nach Texas gezogen, damit wir mit dem Thema Winter möglichst nicht mehr viel zu tun haben und dann kommt sowas. Schnee in Massen, spiegelglatte Straßen, Stromausfälle und keine Wasserversorgung über Tage hinweg. Dazu kommen geschlossene Geschäfte und Tankstellen, so dass man hinsichtlich der Lebensmittelversorgung maximale Kreativität beweisen muss. Und wenn man schon den Mut aufbringt sich mit dem Auto zu irgendeinem (eventuell offenen) Laden zu begeben, dann geschieht dies ohne Eiskratzer, aber dafür mit aufgezogenen Sommerreifen über ungeräumte Straßen (Winterdienst gibt es hier nicht – Wozu auch … normalerweise gibt es ja auch keinen Winter). Hier zeigt es sich umso stärker, dass die Anschaffung eines Allradfahrzeuges wie eine Intuition war (auch wenn der Verkäufer wegen den Winterreifen gelacht hatte)
Ohne Strom
Die ersten Auswirkungen des Winterstorms machten sich bei uns in Form von Stromausfällen bemerkbar. Und ohne Strom geht hier gar nichts (auch keine Heizung und viel schlimmer noch -> keine Kaffeemaschine). Das Stromnetz von Texas ist völlig autark und nicht mit den anderen Bundesstaaten gekoppelt. Durch den Kälteeinbruch (mit bis zu -13°C war es hier aktuell kälter als in Alaska) sind die Energieverbräuche extrem angestiegen, bei gleichzeitigen Ausfall diverser Stromerzeuger.
Das Netzt stand quasi vor dem völligen Kollaps und nur das temporäre und wechselweise Abschalten von Städten und Stadtgebieten konnte den totalen Zusammenbruch verhindern. Wenn das passiert wäre, dann hätten wir nur noch fluchtartig den nächstgelegenen Bundesstaat anfahren und in ein Hotel umquartieren können. Der Stromverlust hatte jedoch auch zur Folge, dass die Wasseraufbereitungsanlagen ausgefallen sind und zu tagelangen Nichtversorgungen führten.
Mehrere Tage ohne Leitungswasser
Seitdem wir hier in den USA leben nutzen wir zum Kochen ausschließlich gekauftes Wasser aus dem Laden, weil das Trinkwasser aus den Leitungen einfach nur gruselig schmeckt. Aber es wird ja trotzdem für alle möglichen Sachen benutzt wie zum Beispiel Duschen, Waschen, Blumengießen und die Toilettenspülung. Wenn nun über mehrere Tage kein Wasser zur Verfügung steht, dann wird es wirklich eng. Und wir waren auch ganz schön stinkig (im wahrsten Sinne des Wortes). Besonders skurril kam dabei noch die Auflage von Austin Water bei allen Betroffenen an die besagte: „Sie müssen das Leitungswasser abkochen bevor sie es verwenden!“. Wir hätten diese Anweisung ja gern befolgt, aber wenn kein Wasser da ist, kann man es auch nicht abkochen. Und die offiziellen Hinweise, dass der Zustand noch mehrere Tage anhalten kann, war ebenso wenig ermutigend wie hilfreich.
Als ein vorübergehendes Ritual haben wir den mehrmals täglich stattfindenden „Walk for Water“ in unseren Alltag integriert, um wenigstens die Toilettennutzung zu ermöglichen. Das hieß bei uns dann Eimer und Wasserflaschen schnappen und zum Pool spazieren um Selbigen vom Wasser zu befreien. Das der Gang über nicht geräumte und nicht gestreute Wege führte, war klar, aber wenigstens hatten wir diese Option…
Ohne Einkaufsmöglichkeiten
Als vereinzelte Einkaufsläden zeitweise für mutige Autofahrer öffneten, gab es keine Wasserflaschen mehr. Die waren alle ausverkauft. Genau genommen gab es fast gar nichts mehr, weil die Unterbrechung der Kühlketten nur noch die Entsorgung zahlreicher Lebensmittel erlaubte.
An diesem Ereignis konnte man aber sehr gut sehen, wie abhängig man mittlerweile von eigentlich grundlegenden Dingen geworden ist. Strom und Wasser sind im Normalfall überall verfügbar, aber wehe wenn nicht! Dann fällt ein ganzes Land fast über Nacht zurück ins Mittelalter. Und auch Geld hilft in einem solchen Fall nicht. Wenn es kein Wasser zu kaufen gibt, dann gibt es eben kein Wasser. Das Unangenehmste an einer solchen Situation ist aber die Ungewissheit über die Dauer des Zustandes. Geht es nur einen Tag oder eine Woche? Wie lange reichen die Vorräte aus und wann werden Lieferketten wieder funktionieren?
Aber trotzdem kam bei uns der Spaß nicht zu kurz und es gab sehr interessante Bilder, die die Natur hervorgebracht hat.
Was ist das für eine verrückte Zeit, in der wir uns hier befinden? Erst der Ausbruch dieser Corona-Pandemie und dann dieses Wetterchaos mit seinen Folgen. Aber irgendwann findet auch diese Situation sein Ende und man schätzt auch die eigentlich alltäglichen Dinge wieder viel mehr!




















