In Deutschland haben wir unsere jährliche Steuererklärung seit Jahren durch ein zuverlässiges Steuerbüro machen lassen. Dadurch brauchten wir uns um fast nichts kümmern, sondern nur immer die Rechnung bezahlen. Das war sehr bequem, sicher und komfortabel. Außerdem sind Steuern ein Thema dass wir aus tiefstem Herzen verabscheuen (sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis). Aber als anständige Bürger kommen wir selbstverständlich unseren Pflichten nach.
Leider haben wir von den hiesigen steuerlichen Aspekten noch weniger Ahnung und verstehen bestimmte Sachen einfach nicht. Deshalb haben wir zunächst versucht uns hier einen deutschsprachigen Steuerberater zu suchen, was uns irgendwann auch gelang. Als er uns den Preis für die Erledigung aller unserer privaten Steuerangelegenheiten genannt hatte, waren wir so frei, von der Offerte Abstand zu nehmen und weiter zu grübeln. Einer guten Bekannten haben wir dann von unserem Dilemma berichtet, die uns sagte, dass die Erklärung ja total einfach ist. Aber da wir ja noch Frischlinge hier sind wollten wir ja keinen Fehler machen. Also hat sie uns eine Steuerberatung in Austin empfohlen, bei der sie jemanden kannte. Also kurzerhand Termin vereinbart und auf zur Steuerberatung…
Wir hatten zu unserem Beratungstermin natürlich (wie wir als Deutsche nun mal so sind) unzählige Unterlagen zusammengestellt, Excel-Tabellen gebastelt mit Übersichten in deutsch und englisch und selbstverständlich auch unsere parallel erstellte deutsche Steuererklärung mitgenommen.
Da unsere Steuerberaterin der deutschen Sprache nicht mächtig ist und unser indisch auch sehr zu wünschen übrig lässt, haben wir uns miteinander aus einem Gemisch aus gebrochenem dialektbetontem Englisch, Zeichen- und Bildsprache sowie Onlineübersetzern verständig. Und das ging ganz gut. Heute ist sie für uns die Beraterin unseres Vertrauens (auch wenn wir mit Vorliebe schriftlich kommunizieren).
Unsere Steuerberaterin war begeistert von unserem Eifer und hat 95% der Akten ungelesen bei Seite gelegt. Schlussendlich wollte sie nur ein paar Zahlen von uns wissen, hat diese dann in ein Onlineformular eingetippt, ein Ergebnis bekommen und das war es. Wir hatten für das Jahr 2019 bekanntlich keine Einnahmen in Amerika (da haben wir ja noch in Deutschland unsere Brötchen verdient), deshalb brauchten wir hier auch für dieses Jahr keine Steuern bezahlen. Welch ein überraschendes Ergebnis. Aber, wir haben für das ganze Jahr rückwirkend eine Art Kindergeld für unsere Tochter bekommen. Das war großartig und somit waren die letzten transatlantischen Flüge wieder refinanziert.
