In diesen Sommer haben wir uns (mehr oder weniger freiwillig) dazu entschlossen, unsere Erfahrungen im Bereich IAA – Impfen Apotheke Arzt (nein… nicht Internationale Automobil Ausstellung) zu erweitern. Und dabei gibt es einige wesentliche Unterschiede zu Germany, von denen wir mal Berichten wollten.
Impfen und Apotheke
Wenn man sich in Deutschland impfen lassen will, dann vereinbart man im Normalfall einen Termin dafür beim Hausarzt und lässt sich zum Termin von einer Schwester impfen. Hier übernehmen das häufig die Pharmacy-Bereiche in den Groocery-Stores (das sind so zu sagen die Apotheken in den Supermärkten).
Ja … hier befindet sich zwischen Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarf (mal mitten drin, mal etwas am Rande des Geschäftes) die Pharmacy. Ganz am Anfang unseres Abenteuers Amerika hatte uns das auch etwas irritiert, aber es ist schon irgendwie praktisch, wenn man den Wocheneinkauf mit einem eventuell notwenigen Besuch einer Apotheke direkt verbinden kann.
Bereits 2019 wurde Celina in einem solchen Pharmacy-Bereich gegen Meningitis geimpft, weil es von der Schule vorgeschrieben ist. Nun hatten wir uns alle drei doch mehr oder weniger freiwillig für die Covid-19 Impfung entschieden. Und um es vorweg zu nehmen: Wir sind weder Befürworter noch Gegner dieser Impfung! Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Auch wir haben lange gezögert und haben uns den „Shot“ weniger aus Überzeugung, sondern vielmehr aus der Hoffnung einer gewissen zukünftigen Lebensnormalität heraus geben lassen. Es gibt hier keine staatlich verordnete Impfpflicht, aber jede Institution kann eigenständig entscheiden, ob sie zum Beispiel zukünftig Ungeimpfte in ihren Büros arbeiten lassen möchte. Viele große Unternehmen haben bereits angekündigt, dass Remote-Work kein Dauerzustand sein wird, und wer dann nicht geimpft ist, muss sich quasi einen neuen Arbeitgeber suchen. Man kann davon halten was man will, aber wenn man es realistisch betrachtet ist es auch sowas wie Freiheit in der Entscheidungsfindung. Es ist die freie Entscheidung des Unternehmens solche Anweisungen zu geben. Und es ist die freie Entscheidung des Mitarbeiters in diesem oder eben in einem anderen Unternehmen zu arbeiten. Es wird ja eventuell auch mal wieder möglich zwischen Deutschland und Amerika hin und her zu pendeln und dann wird es mit einer entsprechenden Impfung zweifellos einfacher, als sich ständig testen zu lassen.
Um nun die gewünschte Impfung zu erhalten sucht man sich online die gewünschten Pharmacy aus und bucht ein Appointment (einen Termin der einem angenehm ist). Man füllt dann das entsprechende Anmeldeformular aus, druckt es aus und nimmt es zum vereinbarten Termin mit. Im Normalfall kommt man fast sofort dran (zu Wartezeiten kommt es eher selten). Dann bereiten die „Apotheker“ alles vor (die Impfbescheinigungen werden ausgefüllt und an den Impfling zurückgegeben, danach wird der eigentliche Vorgang binnen einer Minute erledigt. In den anschließenden 15 Minuten Wartezeit kann man dann ja seinen Einkauf vornehmen. Ja…man hätte natürlich auch mit der ausgefüllten Bescheinigung die Flucht ergreifen können und man hätte trotzdem einen bestätigten Impfnachweis, aber von diesen Fällen haben wir noch nichts gehört.
Arzt
In einigen Drogerien (so würden wir es mal nennen wollen) gibt es Arzt-Stützpunkte die für allgemeinmedizinische Fragen und Behandlungen ausgestattet sind (Fachärzte hingegen haben natürlich ihre speziellen Praxen oder Praxisgemeinschaften). Das kann man sich ungefähr so vorstellen:
Man betritt einen solchen Laden und findet erst mal alle möglichen drogerieähnlichen (oder auch nicht ähnlichen) Produkte wie Cremen, Salben, Lotionen, Haarfärbemittel, Postkarten, Handy- und Computer-Zubehör, Sonnenstühle und Bier. Ja … die Produktzusammenstellung ist schon speziell. Dann befindet sich irgendwo in einem solchen Geschäft natürlich auch ein Pharmacy Bereich und meistens nicht weit davon entfernt ein Arztstützpunkt mit Untersuchungs- und Behandlungsräumen. Alle diese Bereiche sind nicht räumlich voneinander getrennt, d.h. Du kannst durch jeden Bereich spazieren.
Es ist nun so, dass die Schulen den Nachweis einer ärztlichen Untersuchung verlangen, wenn ein Schüler einer sportlichen Aktivität im Schulbereich nachgeht (sei es als Unterrichtsfach oder außerschulische Aktivität). Das Fach PE (= Sport) hat Celina ja im letzten Schuljahr (im Remote-Learning) mit hervorragendem Abschluss absolviert (kein Kommentar). Nun engagiert sie sich ja weiterhin im Ballet Folklorico als Officer und es stehen endlich auch diverse Auftritte an. Daher hielten wir es für sinnvoll (trotz fehlender Notwendigkeit) eine allgemeine Kontrolle vornehmen zu lassen.
Die Terminierung einer entsprechenden Arztkonsultation ist ebenso einfach wie die Vereinbarung eines Impftermins. Man sucht sich online den gewünschten Stützpunkt aus, wählt einen angenehmen Termin und bucht einfach. Dann erhält man einen Betätigungscode, den man zum vereinbarten Besuch mitbringt.
Nun begibt man sich zum Arztstützpunkt und sucht gewohnheitshalber erstmal eine Krankenschwester (die man in unserem Fall durch ein digitales Anmeldesystem ersetzt hat). Nachdem wir nun den richtigen Bildschirm gefundet hatten, dauerte die Eingabe der notwendigen Daten nochmal etwa 5 Minuten und dann hieß es Warten bis die Untersuchung stattfand. Das Wichtigste dabei ist natürlich die Angabe der Krankenkasse UND (noch wichtiger) das Einlesen der Kreditkarte, damit auch die Kosten getragen werden.
Die eigentliche Untersuchung erfolgt dann von einer Ärztin oder einem Arzt, nicht viel anders als in Germany. Dann bekommt man sein Formular ausgefüllt (hier für die Schule) bzw. wenn man z.B. wegen einer Krankheit kommt einen Bericht über den Arztbesuch ausgedruckt, und geht dann wieder.
Verschriebene Medikamente nimmt man dann eben auch direkt mit – der Arzt hat die Prescription (Verschreibung) bereits an die Pharmacy deiner Wahl geschickt) bzw. man bekommt einen Abhol-Termin mit gefühlten 20 Erinnerungen per SMS. Die Kosten trägt man selbst bzw. jeweils teilweise oder komplett die jeweilige Krankenkasse… aber das ist ein anderes Thema.
Also, für einfache Sachen – pretty easy / total unkompliziert.
Ach ja, und nach dem Besuch beim Facharzt – in unserem Fall z.B. Augenarzt – bekommt man nach dem Termin eine Dank-SMS für den Besuch der Praxis, Geburtstags-SMS, regelmäßige Terminerinnerungen…

