Seit Wochen brennt die Sonne erbarmungslos auf Texas, unsere Klimaanlage ist genauso lange schon ohne Funktion und es ist keine Abkühlung in Sicht. Da bleibt irgendwann nur noch eine Option in Anlehnung an einen schönen Song von Buddy & DJ The Wave: „Ab in den Norden, dem Regen hinterher – Ey jo, was geht?“
Es ist Donnerstagnachmittag und wir haben dezente 41 °C im Schatten (wie seit den letzten Wochen auch). Die Wohnung ist eine einzige Sauna und das Konzentrieren bei der Arbeit fällt entsprechend schwer. Auch Celina hat sichtlich Schwierigkeiten bei diesen Temperaturen ihren Ferientätigkeiten nachzukommen, denn wenn sie so gegen 13 Uhr aufsteht um ihr Tagwerk (also dem Chillen) nachzugehen, ist es schon recht warm in ihrem Zimmer. Deshalb schnappen wir uns jeder eine Tasche, fahren zum Flughafen und fliegen nach Detroit.
Detroit
Nach einem sehr angenehmen Flug holten wir unseren Mietwagen ab (diesmal hat es keine 10 Minuten gedauert -> absoluter Rekord) und begaben uns in Richtung Downtown zu unserem Hotel, dass sich logischerweise an einer wegen Bauarbeiten gesperrten Ausfahrt befand. Unser Navi war aber der Meinung, dass diese Sperrung für uns keine Gültigkeit hat und navigierte uns vehement immer wieder zu dieser Ausfahrt bis wir die Nase voll hatten und nach Bauchgefühl fuhren. Irgendwann haben wir das Hotel erreicht, eingecheckt und festgestellt, dass Essen vielleicht auch keine schlechte Idee wäre. Also nochmal ab ins Auto und einfach die Straße gerade aus gefahren bis eine Pizzeria auftauchte, die noch offen hatte. Bei Happy Pizza holten wir uns Verpflegung und fuhren zurück ins Hotel. Es war zwischenzeitlich schon weit nach Mitternacht (also hier in Detroit wegen der Zeitverschiebung) und wir gingen gesättigt und müde ins Bett, denn morgen sollte die Tour in aller Frühe starten.
Canada – Toronto & Niagara Falls
Wir erreichten den Grenzübergang und verstanden den kanadischen Beamten nur mit Mühe (das beruhte offensichtlich auf Gegenseitigkeit). Er prüfte unsere Reisepässe und Greencards – verstand aber irgendwie nicht, warum wir in Austin leben und deutsche Pässe haben. Irgendwann hat er aufgegeben und uns zum Immigrationsbüro geschickt. Hier wurde erstmal unser Auto komplett durchsucht und da wir angegeben haben keinen Alkohol oder sonstigen Kram dabei zu haben, suchte man umso genauer. Und da fanden sie auch tatsächlich noch zwei Bierbüchsen vom Vortag, an die wir selbst nicht mehr gedacht haben. Na gut, sorry und mitleidiges Gesicht aufgesetzt und schon verschwanden die Büchsen wieder im Kofferraum. Da man nichts Verdächtiges gefunden hatte, wurden wir nun zum Immigrationsbeamten geschickt, der unsere Daten im System aufnahm. Und das war es auch schon (aus Sicht der Grenzbeamten). Matthias schaute in die Reisepässe und stellte fest, dass wir keinen Stempel bekommen hatten. Darum fragte er den Beamten, ob das so richtig ist. Der gute Mann sagte sinngemäß, wenn ihr einen Stempel wollt, dann geht doch einfach nochmal rein und lasst euch einen geben auch wenn ihr als Permanent Resident keinen braucht. Dem taten wir dann auch so und nun haben wir endlich mal wieder einen neuen Stempel im Reisepass. Also das wichtigste hätten wir damit schon mal 🙂 . Mit einem freundlichen deutschen „Tschüss“ und winken von den Grenzbeamten wurden wir verabschiedet und nun mussten wir nur noch fix bei McDonalds reinschauen und das Angebot mit den USA vergleichen. Dann ging es auch schon los auf unserer Reise durch den Bundesstaat Ontario.
Wir fuhren vorbei an Orten mit klangvollen Namen wie Paris, Dresden oder London und mussten uns erstmal an die Geschwindigkeitsangaben in km/h bzw. Entfernungsangaben in Kilometern gewöhnen. Und das hier Benzin in Litern getankt und mit kanadischen Dollar bezahlt wird bedurfte auch zunächst einer Umgewöhnung. So ein Kilometer ist schon recht kurz…
Toronto
Zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes war Toronto gefühlt eine einzige Baustelle. Da kann die Stadt jetzt nicht wirklich was dafür, aber das macht es für Touristen nicht einfacher oder attraktiver. Dennoch begaben wir uns auf einen Rundgang in Richtung des Nathan Phillips Square, der aber in der völlig entgegengesetzten Richtung zu unserem eingeschlagenen Weg lag. Nach einem -> Achtung: KILOMETER (nicht Meile) bemerkten wir unseren Irrtum und schlürften zur Freude von Celina die Strecke wieder zurück. Nun mussten wir diese unglaubliche Entfernung abermals absolvieren (nur eben diesmal in die richtige Richtung).
Besagter Platz ist quasi das Zentrum von Toronto vor der City Hall, und mit dem TORONTO Schriftzug Touristenmagnet und normalerweise auch Eventlocation Nummer 1. Aber heute war es sichtlich ruhig, was wahrscheinlich an dem für hiesige Verhältnisse warmen Wetter (29°C) lag. Nach ein paar Touri-Fotos schlenderten wir noch etwas durch die Baustellen… ääääähhhh Innenstadt, dann zur Waterfront des Ontario-Sees und dann… hatten wir keine Lust mehr uns noch zum CN-Tower zu bewegen. Nun, der 553 Meter hoher Fernsehturm ist Wahrzeichen der Stadt, war von 1975 bis 2009 der höchste Fernsehturm der Welt und bis 2007 das höchste freistehende und nicht abgespannte Bauwerk der Erde, und er hat Glasböden in der Aussichtsplattform. Also eigentlich ein Muss! Aber wir wollen es ja schließlich nicht gleich an „Tag 1“ übertreiben, und lieber noch weiter zum nächsten Stopp fahren.
Niagara Falls – Part 1
Weiter ging unsere Fahrt in Richtung Niagara Falls, denn die sind abends bunt beleuchtet. Außerdem gingen wir davon aus, dass es sich auf kanadischer Seite bestenfalls um ein größeres Dorf handelt, so dass man dort einen ruhigen Abend verbringen könnte. In Niagara Falls angekommen endpuppte sich das „beschauliche Nest“ als doch recht große Stadt, aber egal … erstmal das Nachtquartier finden. Nach dem Check-in fuhren wir nochmal los, um die Wasserfälle im Dunkeln mit besagter Beleuchtung zu sehen. Aber was war das … plötzlich bogen wir in eine Straße ein und kamen uns vor wie in Las Vegas. Alles bunt, Massen an Leuten, Feuerwerk und natürlich Stau. Damit hatten wir jetzt nicht gerechnet. Wir fuhren irgendwie durch das Chaos und zack… standen wir vor einem Hard Rock Café mit einem freien Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite. Okay, Chance nutzen und gleich mal Pins holen (Hard Rock Pins sammeln ist so eine Macke von uns). Und wo wir schon mal einen Parkplatz haben besuchten wir auch noch die bunt angeleuchteten Niagara Fälle.
Wasser unten, Wasser oben
Wir haben uns ja Abkühlung gewünscht und so haben wir am nächsten Tag auch Selbige bekommen. Es regnete wie aus Eimern und wir mussten erstmal überlegen wie wir damit umgehen. Regen … das feuchte Zeug von oben haben wir ja nun schon ewig nicht mehr gesehen. Aber kann uns das abschrecken? Ja … kann es, zumindest ohne Regenschirm, aber der hätte eh nichts gebracht bei dieser Sintflut. Also erwarben wir kurzer Hand drei Müllsäcke – nein! schicke Regenponchos mit Canada-Logo – und wagten uns in die Fluten. Es dauerte keine fünf Minuten und die ersten Klamottenteile waren durchnässt, aber egal … Wir müssen die Falls bei Tageslicht sehen. Schließlich sieht man die beiden Falls von Kanadischer Seite in voller Pracht. (Die Bootstour haben wir uns geschenkt, schließlich waren wir ja eh schon völlig durchnässt).
Back to the USA
Niagara Falls, Part 2
So, nun hatten wir die Falls von der kanadischen Seite bewundert, sahen aus wie begossene Pudel und reihten uns in die lange Warteschlange auf der Rainbow-Bridge in Richtung Grenzübergang USA ein. Mal schauen, ob die uns wieder kontrollieren… Nach etwa einer halben Stunde (während des Wartens hatten wir die Heizung im Auto auf Maximum um unsere Kleidung zu trocknen) waren wir an der Reihe. Dem Grenzbeamten war aber offensichtlich alles ziemlich egal und wir passierten geschwind den Kontrollpunkt um uns zum Niagara Falls State Park zu begeben. Freundlicherweise wurde aus dem Starkregen ein Leichtregen und so konnten wir nun die andere Perspektive dieses Naturschauspiels bewundern. Aber natürlich nicht ohne auch hier vorher im hiesigen Hard Rock Café noch einen Pin zu erwerben…
Nun fing es auch endlich wieder an zu regnen und was der Regen nicht nass machte übernahm das Spritzwasser der Wasserfälle. Duschen war somit heute nicht mehr nötig.
Erie am Erie-See
Nach einer Stärkung ging unsere Reise weiter durch New York State nach Pennsylvania wo wir Erie am Eriesee (manch einer kennt vielleicht noch die Ballade „John Maynard“ von Theodor Fontane) als Zwischenstopp auserkoren haben. Es gab ja heute noch nicht genug Wasser. Hier genossen wir noch am Strand den Sonnenuntergang bevor es zur Nachtruhe ging, die früh enden sollte, denn es lag eine lange Etappe vor uns…
On the road
Für diesen Tag sagte unser Navi eine reine Fahrzeit von 6,5 Stunden voraus, zuzüglich Pausen und diversen Staus wegen Bau- bzw. Mautstellen. Das war auch gut so, denn uns taten die Füße von den vortäglichen Wanderungen noch weh genug. Die Fahrt führte uns durch Ohio und Indiana bis nach Illinois vorbei an grünen Landschaften und vielen 7 Eleven – Tankstellen… bis wir das nächste Hard Rock Casino erreichten (um natürlich Pins zu besorgen).
Chicago
Andrea war ja schon mal vor vielen Jahren hier, aber das interessiert uns nicht die Bohne. Oder doch? Na klar interessiert uns die Bohne, also die am Millennium-Park. „The Big Bean“ – eigentlicher Name ist allerdings „Cloud Gate“ – ist eine Skulptur in bohnenartiger Form aus geglättet und hochglanzpoliertem Edelstahl und der „Hingucker“ für Selfies und verzerrte Fotos. Klar müssen wir das auch ausprobieren.
Weiter gehts zur Buckingham Fountain, eher bekannt als „Al Bundy“ Brunnen aus der Serie „Eine schrecklich nette Familie“, aber da hier gerade die Vorbereitungen für ein großes Musikfestival laufen halten wir den Besuch kurz und wandern durch die Stadt, über die Michigan Avenue, den Riverwalk, vorbei an tollen Gebäuden zum nächstem…. jaaa, logisch: Hard Rock Café! Hier war die Pin-Ausbeute sehr mager, aber nebenan gabs ein tolles klimaneutrales McDonalds Gebäude, das auch gleich für die Mittagspause genutzt wurde.
Und weiter gings durch die Stadt zwischen Hochhäusern und Architektur Highlights hindurch (ok, außer Andrea interessierte das eh keinen) zum Willis Tower. Der „Turm“ – ehemals Sears Tower war bis 1997 das höchste Gebäude der Welt und er hat immer noch das höchste bewohnbare Stockwerk und die höchste Dachterrasse der Welt. Da müssen die Mädels natürlich hoch, denn 442m über dem Boden in Etage 103 gibt es jetzt „The Ledges“, also Ausguck-Boxen voll aus Glas. Ok, man hat auch so eine tolle Aussicht da oben, aber so eine herausragende Glasbox hat schon was. Nach ewigem Anstehen hat man dann leider nur 1,5 Minuten Zeit zum Höhenangst überwinden und Fotos knipsen, bis die nächsten an der Reihe sind. Matthias musste derweil unten warten und genoss das Füße Ausruhen nach der ca. 10 km Stadtwanderung.
Zu guter Letzt musste aber noch etwas ganz Wichtige besucht werden. Etwas, dass uns seit unserem ersten längeren Aufenthalt in den USA begleitet – Der Anfang (bzw. das Ende) der Route 66. Damit haben wir fast alle wesentlichen noch existierenden Stellen dieser Straße besucht!
Und wo wir nun schon soweit nördlich sind, beschließen wir noch den Bundesstaat Wisconsin zu besuchen und dort zu übernachten. Wir fanden dort ein sehr nobles Hotel, holten noch etwas zum Essen an der Tankstelle und verschwanden völlig fertig im Bett.
Strand, Geschichte und Baukunst
Kenosha
Der Morgen kam und Matthias machte sich wie üblich auf dem Zimmer am Vollautomaten mit den bereitliegenden Pads einen Kaffee (English Breakfast in diesem Fall). Genüsslich setzte er zum Trinken an und nach dem ersten Schluck verzog sich seine Miene und sämtliche Haare (ob grau oder nicht) stellten sich ihm zu Berge. Iiiihhh – schwarzer Tee zum Frühstück … English Breakfast – Man hätte es vermuten können. Alle anderen Pads waren von der gleichen Sorte und somit degradierte er das Hotel von 3 Sternen zu 0,5 Sternen für uns herab. Gut das es Tankstellen mit richtigem Kaffee gibt.
Nach dem zusätzlichen morgendlichen Aufsteh-Genörgel der mitreisenden Teenagerin suchten wir zum Ausruhen noch etwas Strand am Lake Michigan, was sich schwieriger gestaltete als erwartet, denn überall gab es nur aufgestapelte Steine. Schließlich wurden wir aber doch noch fündig, und entdeckten dabei ein Museum, was dem geschichtsinteressierten Mann gefallen könnte. Also, auf ins Civil War Museum. Der Amerikanische Bürgerkrieg ist schon wichtig und das Museum entpuppte sich auch als interessanter und sehenswerter als erwartet..
Baháʼí Tempel
Auf dem Weg zurück Richtung Chicago legten wir noch einen kleinen Umweg nach Wilmette ein. Das indisch anmutende „Baháʼí House of Worship“ hier ist das zweite Baháʼí-Gotteshaus, das jemals gebaut wurde, und das älteste, das noch steht.
Es ist einer von 7 Haupttempeln weltweit. Das Baháʼí-Prinzip vermittelt die Einheit der Religion und der Tempel ist für die Öffentlichkeit zugänglich als Andachtsraum für Menschen jeden Glaubens. Nun haben wir es ja nicht wirklich so mit Religion, aber die Anlage ist schon beeindruckend.
Dank unseres lieben Navis führte uns der weitere Weg durch die kleinsten Gassen nach Chicago und dann weiter bis nach Albion. Hier hatte Matthias dann keine Lust mehr zum Autofahren und wir legten deshalb unseren letzten Übernachtungsstop ein. Empfangen wurden wir von hunderten Glühwürmchen, die überall herumschwirrten.
Detroit
Der neue Morgen begann diesmal wieder mit KAFFEE! Das war erstmal wichtig. Wir fuhren nach Detroit (dem Anfangspunkt unserer Tour) um das Ford Museum zu besuchen. Eigentlich rechneten wir mit maximal 1-2 Stunden und dann hätten wir alles gesehen. Da haben wir uns aber ein winziges bisschen verschätzt. Das Museum ist riesig und hätten wir uns im Vorfeld damit befasst, dann hätten wir wissen können das es sich nicht um ein reines Automuseum, sondern um ein Museum der Innovationen im Zeitenverlauf handelt. Es gab dort die wichtigsten Erfindungen im Bereich der Haushaltsgegenstände, der Technik allgemein, bei Autos, Flugzeugen, Eisenbahnen etc. und vieles davon konnte man sogar anfassen.
Der zugehörige Außenbereich „The Village“ ist quasi eine kleine Stadt. Hierher sind zahlreiche Gebäude aus aller Welt umgesiedelt worden. Man kann sich durch die Ortschaft mit Ford T-Modellen chauffieren lassen oder einmal mit einer Dampflock außen herumfahren. Beide Varianten würde den Gegnern der Verwendung fossiler Brennstoffe zur Fortbewegung die Wut-Röte ins Gesicht treiben. Hier ist von Katalysatoren oder irgendwelchen Filter nichts zu sehen. Die alten Autos knattern wie zum Zeitpunkt ihrer Erfindung und die Dampflock qualmt als wollte sie Rauchzeichen bis nach Buffalo geben. Wie es entsprechend dort gerochen hat, können sich wahrscheinlich nur noch Leute vorstellen, die wie wir in der DDR aufgewachsen sind (ein ganz spezieller Duft eben).
Das man in die meisten Häuser hineingehen konnte, gefiel besonders Andrea. An den Gebäuden befand sich jeweils eine Beschreibung zu Herkunft und Besitzern. Die meisten Gebäude waren im historischen Stil eingerichtet und in einigen Häusern waren zudem Ausstellungen oder Geschäfte integriert.
So vertrödelten wir den ganzen Tag hier und da blieb leider keine Zeit mehr für die Stadt Detroit selbst. Auch die zugehörige Ford-Fabriktour mussten wir auslassen, denn es wurde allmählich Zeit zum Flughafen zu fahren um die Rückreise anzutreten.
Wir haben ca. 1500 Meilen (ca. 2400km) zurückgelegt, waren im Ausland Canada, haben 7 US-Bundesstaaten besucht und Unmengen an neuen Pins erworben. Wegen der Zeitverschiebung begleitete uns ein besonders langer Sonnenuntergang auf unseren Flug nach Austin, wo wir drei Stunden später wieder in der heimischen Gluthitze landeten.
































































Da habt ihr ja wieder viel gesehen und erlebt.
Es macht immer wieder Spaß, Eure Berichte durchzustöbern.
Leider ist für alles der Urlaub immer zu kurz und das Wetter macht dann auch noch Querelen.
Jetzt könnt ihr das erstmal verarbeiten und zehren bis zum nächsten Urlaub.
Danke für die Einblicke und die schönen Fotos.
Ganz liebe Grüße an euch drei
von Oma Biene