Schon immer empfanden wir Silber optisch als sehr edel (außer in den Haaren, wie es jetzt eben zum Teil der Fall ist). Wie auch immer, dass ein Ehepaar trotz zahlreicher und teils unglaublicher Herausforderungen 25 Jahre verheiratet ist, kann man schon als bemerkenswert bezeichnen. Also … sind wir es jetzt wert auch mal bemerkt zu werden! Und wir könnten jetzt behaupten, dass bei uns immer Frieden, Freude und Eierkuchen ist, aber dann würden wir eine alternative Wahrheit verbreiten.
Es ist also Sonntag, als sich unser Hochzeitstag nun schon zum 25 Mal jährt und da stellt sich die Frage: Was macht man da am besten? Für Andrea ist der erste Teil der Festtagszelebration klar – erstmal Ausschlafen. Matthias nutzt die Gelegenheit um in den frühen Morgenstunden 25 rote Rosen zu besorgen und dazu einen kleineren Rosenstrauß für eine Fotosession. Am späteren Vormittag gelingt es der holden Maid dann doch mal sich durchzuringen und aufzustehen um den Tag beginnen zu lassen.
Als dann auch das Töchterlein die Pupsmolle verlassen hat und fertig gestylt ist, fahren wir zum Mayfield Park hier in Austin und sind froh, dass kaum jemand da ist außer uns. So können wir in Ruhe und bei kuschligen 35 °C unsere Bilder knipsen.
Wir haben versucht uns in etwa so zu kleiden wie damals (nur diesmal etwas mehr Texanisch und mit Hüten) und stellten dabei wenig überraschend fest, dass wir vor 25 Jahren etwas weniger Stoff für unsere Klamotten gebraucht haben. Nun ja, so ist das nun mal (würde Oma Bina sagen) …
Und so schießt unsere Fotografin über 100 Fotos, die wir dann erstmal im Auto begutachten.
Tja … und dann findet man etwas, das ärgerlich ist, denn wenn die liebe Tochter und Fotografin pennt, dann kommt eben sowas dabei raus…
Gut das es Photoshop zum Korrigieren gibt. 🙂
Nach unserem Fotoshoot fuhren wir nach Fredericksburg zum „The Ausländer“, einem deutschen Restaurant, das etwas ganz „besonderes“ anbietet – Kartoffelsuppe, die nicht nach Kartoffelsuppe schmeckt sondern nach Blumenkohlsuppe. Matthias hatte diese kulinarische Spezialität vor einigen Jahren schonmal bestellt und wollte testen, ob die sich damals einfach nur vertan hatten. Aber nein … die schmeckt diesmal genauso. Ansonsten lassen wir uns Roulade, Schmorbraten und Schnitzel schmecken und fahren am Nachmittag dann vollgefuttert wieder in Richtung Heimat um den restlichen Tag noch in Ruhe zu verdümpeln.
Und damit ging unser 25. Hochzeitstag langsam zu Ende. Keine große Feier, kein übertriebenes Tamtam – dafür wir drei, ein paar schöne Fotos, 25 rote Rosen (die man für spätere Fotoshoots mit Haarspray einsprühen und trocknen lassen kann), viel interessantes Essen und wieder eine Geschichte mehr in unserem Familientagebuch.
25 Jahre Ehe bedeuten eben nicht, dass immer alles glattläuft. Es bedeutet eher, dass man auch nach all den Höhen, Tiefen, Umwegen, Katastrophen und gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten immer noch nebeneinander sitzt und denkt: „Okay … machen wir noch ein paar Jahre weiter.“
Wenn wir auf diese 25 Jahre zurückblicken, dann war ganz sicher nicht alles einfach. Aber langweilig war es definitiv nie. Wir haben unglaublich viel erlebt, gemeinsam aufgebaut, verloren, wieder neu angefangen, sind durch einige ziemlich verrückte Situationen gegangen und haben dabei irgendwie nie aufgehört, eine Familie zu sein. Und vielleicht ist genau das am Ende das Wertvollste: Nicht die perfekte Ehe (wenn es die überhaupt geben sollte), sondern die gemeinsame Geschichte.
Silber steht uns also tatsächlich ganz gut.
Und wer weiß – vielleicht schaffen wir es ja bis Gold (wie auch immer das dann in den Haaren aussehen soll). Bis dahin haben wir allerdings noch 25 Jahre Zeit, darüber zu diskutieren, wer damals eigentlich mit dem ganzen Spaß angefangen hat.






